Der Weinkorken

Über Wein lässt sich stundenlang debattieren. Sogar über die Frage nach dem richtigen Verschluss der Weinflasche können sich Weinliebhaber auf stundenlange Streitgespräche einlassen. Denn der Naturkorken wird immer mehr von alternativen Verschlüssen verdrängt. Die einen bangen mit dem Vormarsch von Drehverschluss & Co um lieb gewonnene Bräuche; die anderen kommen zum Schluss, dass die Alternativen zum Korken so schlecht nicht sind.

WeinkorkenWeinkorken (Foto by: elenathewise/ Depositphotos)

Wein trinken besteht aus Ritualen. Beispielsweise, dass man den Wein dekantiert, ihn vor dem Trinken im Schwenker dreht und die Farbe kontrolliert. Oder eben, dass man die Flasche mit einem „plopp“ entkorkt und danach prüfend am Zapfen schnuppert. Meist gibt das schon Aufschluss darüber, ob der Rebensaft „Zapfen“ hat. Alternative Flaschenverschlüsse laufen nun dem bewährten Naturkorken den Rang ab. Vor allem Drehverschlüsse sind im Aufwind.

Wissenswertes zum Naturkorken

Die Geschichte des Korkens nahm schon bei den alten Griechen ihren Anfang. Sie verwendeten Korkpfropfen, um die Weinamphoren zu verschliessen. Mit der Verbreitung des Weinhandels im 18. Jahrhundert gewannen die Weinzapfen rapide an Bedeutung. Denn für die langen Transporte brauchte es sichere Flaschenverschlüsse. Weinkorken werden aus der Rinde der Korkeichen hergestellt. Diese kommen vor allem im Mittelmeerraum vor. Es benötigt mindestens 20 Jahre, bis die Rinde der Korkeiche ein erstes Mal „geerntet“ werden kann.

Bis zur nächsten Ernte muss ihr eine Ruhezeit von 9 bis 10 Jahren gewährt werden. Eine Hektare mit Korkeichen wirft etwa 150 kg Kork ab. Zu den Ländern, die Korkeichen produzieren gehören Marokko, Spanien oder Portugal. Jährlich werden weltweit um 340.000 Tonnen Kork produziert. Portugal ist mit einem Marktanteil von 51% der grösste Korkenhersteller der Welt. Naturkorken sind Zapfen, die mit einem Hohlmesser aus der Rinde geschnitten werden Es gibt zudem die Variante aus Korkgranulat, die sogenannten Presskorken. Hierzu werden kleine Korkstückchen mit Harz unter Druck zu einem Korken gepresst.

Vor- und Nachtteile des Naturkorkens

Der Naturkorken geniesst bei Weinliebhabern einen ausgezeichneten Ruf. Beim Naturzapfen handelt es sich wie beim Wein auch um ein Naturprodukt. Kork ist ein nachwachsender Rohstoff. Die umweltfreundlichen Korkzapfen können einerseits recycliert werden; andererseits verrotten sie, wenn man sie wegwirft. Für Weinliebhaber ganz wichtig: Der Naturkorken lässt zu, dass sich die Weine beim Lagern weiterentwickeln. Doch keine Vorteile ohne Nachteile: So ist die Herstellung für qualitativ einwandfreie Korken relativ teuer – für billige Weine rechnet er sich schlicht nicht.

Korken können dafür verantwortlich sein, dass ein Wein Zapfen hat. Experten gehen von einem Ausschuss von bis zu 10% aus. Allerdings gibt es auch Weine, die ohne Naturkorken Missklänge aufweisen. Zapfen aus Korkgranulat könnten mit zunehmendem Alter beim Öffnen der Flasche zerbröseln und abbrechen. Alte Korken haben ausserdem die Tendenz, zu schrumpfen. Dies erhöht nicht nur die Oxidationsgefahr des Weines. Auch kann sich dadurch bei langer Lagerung die Füllmenge in den Flaschen reduzieren.

Wie gut sind die Alternativen?

Es ist durchaus nachvollziehbar, sehen sich die Weinproduzenten nach alternativen Flaschenverschlüssen um. Davon gibt es nebst dem Drehverschluss einige auf dem Markt:

  • Kunststoffkorken
  • Kronenkork („Deckeli“)
  • Glasverschluss mit Dichtring

Vor allem der Kunststoffkorken weist einige Vorteile auf: Winzer benötigen keine neue Infrastruktur, wenn sie von Naturkorken auf Kunstkorken umstellen. Das Ritual des Flaschenöffnens bleibt bestehen, auch wenn das mehr Kraft benötigt als beim Naturkorken. Hingegen erlaubt es der Kunstkorken dem Wein nicht, sich in der Flasche weiterzuentwickeln. Ob ein künstliches Produkt, dessen Entsorgungsproblem noch nicht gelöst ist, sich mit dem Naturprodukt Wein imagemässig vereinen lässt, sei dahingestellt. Drehverschlüsse sind ebenfalls kostengünstig, luft- und wasserdicht sowie leicht zu handhaben; die Flasche kann damit problemlos wieder verschlossen werden. Doch haftet ihnen ein schlechtes Image an. Bei qualitativ hochstehenden, lagerfähigen Weinen sind Drehverschlüsse kaum vorstellbar.

Denn auch sie verhindern die Weiterentwicklung des Weins in der Flasche. Und wer will schon seinen 15-jährigen Bordeaux mit einer klickenden Handdrehung öffnen. Wo doch das vertraute „Plopp“ die Musik macht! Kronenkork – oder “Deckeliwein“ – ist billig und sieht billig aus! Dieser Verschluss weckt unweigerlich Assoziationen zu Bier. Bei Weinliebhabern fällt er trotz Vorteilen (günstig, handlich, dicht) durch. Bleibt noch der Glasverschluss. Zwar ist der nicht ganz einfach zu handhaben und günstig ist er auch nicht. Doch er beeinflusst den Geschmack des Weins nicht. Man kann damit die noch nicht leer getrunkene Flasche wieder verschliessen. Und er ist elegant. Für edle Weine also – wenn’s denn sein muss – eine Alternative.

Während in der Gastrobranche Drehverschlüsse und Kronenkork wegen deren einfachen Handhabung auf breite Akzeptanz stossen, gehen unter Weinkennern Drehverschlüsse bei weissen oder nicht lange lagerfähigen Rotweinen gerade noch durch. Für edle Weine, die in Ruhe altern sollten, bleibt der Naturkorken ihre erste Wahl. Das ist keineswegs die Quintessenz rationaler Überlegungen – vielmehr ist es eine Frage der Ästhetik und der Emotionen.


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