Schweizer Fasnachtzeit

Maskenbälle, Guggenmusik, Umzüge und Schnitzelbänke... Die Fasnacht ist die Zeit des Feierns und Festens. Denn jetzt sagen sich die Schweizer: Wer fasten soll, muss zuvor ordentlich festen – und ordentlich Fett ansetzen.

besonders fett und deftig darf es zur Fasnachtzeit seinbesonders fett und deftig darf es zur Fasnachtzeit sein (Foto by: alexraths / Depositphotos)

In einem Land, in dem französisch, deutsch und italienisch gesprochen wird, ist klar, dass die Küche ebenso vielseitig sein muss wie die Sprachen. Von alters her dominiert Deftiges die Schweizer Küche wie Rösti, Bauernspätzle oder Basler Leckerli, Rüebli-Torte und unvergleichlich gute Schokolade. Aber zu einer Zeit des Jahres, im tiefen Winter, wenn die Luft nach Kälte riecht, der Schnee auf den Bergen glitzert und in den Wäldern nicht einmal Vogelgezwitscher die Stille unterbricht, beginnt in der Schweiz das grosse Fest vor dem Fasten. Zur Schweizer Fasnachtzeit wird es besonders süss und sehr deftig.

Bräuche, Traditionen und Höhepunkte

Maskenbälle, Guggenmusik, Umzüge und Schnitzelbänke – der Schweizer Karneval hatte am Martini-Tag, dem 11.11. um 11.11 Uhr, begonnen. Bevor die Fastenzeit am Aschermittwoch losgeht, steuern die Feste dem zweiten Höhepunkt der Fasnacht entgegen. Denn jetzt sagen sich die Schweizer: Wer fasten soll, muss zuvor ordentlich festen – und ordentlich Fett ansetzen. Deshalb heisst der Eröffnungstag – etwa eine Woche vor dem Aschermittwoch - „Schmutziger Donnerstag“, wobei hier „schmutzig“ nicht für „dreckig“ steht, sondern von dem alten Wort „Schmotz“ für „Fett“ abgeleitet ist.

Auf ausgedehnte kulinarische Genüsse verweisen auch der Luzerner „Güdismontag“ und „Güdisdienstag“, denn „Güdis“ war früher für „Magen“ oder „Wanst“ gebräuchlich. Sehr geordnet und mit Abstand zum ausgelassenen Treiben in den Beizen und Strassen begehen die Leute in Basel am Montag vor Aschermittwoch den „Morgestraich“: Unter Pfeifen und Trommeln beginnen auch hier die „drey schenschte Dääg“ – durchaus auch im kulinarischen Sinn. So gelten die Tage vom Schmutzigen Donnerstag bis zum Aschermittwoch als Fest für Magen, Augen und Ohren und für überbordende, opulente Lebensfreude.

festliches Treiben in Baselfestliches Treiben in Basel (Foto by: dchulov / Depositphotos)

Buntes Treiben mit christlichem Hintergrund

Im Ursprung geht die Fasnacht auf frühchristliche Sitten und Gebräuche zurück, die es den Menschen erlaubten, im Vorfeld der katholisch strengen Fastenzeit Reserven anzusetzen. Am Aschermittwoch hatten reuige Sünder dann Gelegenheit, sich „Asche aufs Haupt“ streuten und Busse zu tun. Die nachfolgenden Fastentage waren Tage der Einkehr und der Enthaltsamkeit. Bis Ostersamstag dauert die Fastenzeit, in Anlehnung an die vierzig Tage in der Wüste, die Jesus betend und fastend verbrachte.

Fleischliche Genüsse sind in der Fastenzeit tabu – daher kommt auch „Karneval“, ein weiterer Name der „Fasnacht“: Man kann ihn mit dem lateinischen Abschiedsgruss „Carne vale“, also „Fleisch Lebwohl“ übersetzen. Ausserdem vermischten sich die heidnischen Rituale der Winteraustreibung mit den Bräuchen der Christen.

Dies liefert auch eine Erklärung für die unterschiedliche Auslegung der Fastenspeisen in Fleischgerichte vor der Fastenzeit und solche ohne Fleisch, die man die Fastenzeit über isst. So ganz genau nimmt man dies heute übrigens nicht mehr, wie man am Beispiel der beliebten Faschtewaije sieht, die gern auch mit Schinken gefüllt wird.

Fasnachtsbrauch mit sattem Bauch

 In vielen Regionen der Schweiz haben sich spezielle Fasnachtsgerichte erhalten. Dabei schmecken kulinarische Highlights wie Waadtländer Salée sucrée oder Urner Ryys und Boor auch den vielen Schweiz-Besuchern.

Heisse Gerichte, von der Kafi Luz, die Basler Mehlsuppe oder Risottata auf der Piazza am Tessiner Carnevale, werden ergänzt vom traditionellen frittierten Gebäck, wie die luftig-zarten, klassischen Chneublätz. Selbst gebacken werden Zigerkrapfen, Hasenöhrli, Rosenchüechli, Schurzbändeli oder Chruchtele.

Das beliebteste süsse Fasnachtsgebäck aber lässt sich überraschend unkompliziert in einer Pfanne voll Backfett ausbacken: Bereits seit dem 9. Jahrhundert sind gefüllte Krapfen weitverbreitete Fasnachtstradition in der Schweiz.


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